Zur Einführung in die "Kulturlandschaft Arlesheim" nachstehend der leicht modifizierte Text aus dem 1979 erschienen, inzwischen vergriffenen Kunstführer Kanton Basel-Landschaft, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Sind Sie bereits Mitglied?) und verfasst von alt Denkmalpfleger Hans-Rudolf Heyer.
Lesenswert ist auch dieser Beitrag im Historischen Lexikon der Schweiz.
Dom- oder Stiftskirche. Eine der ersten grossen Frühbarockkirchen der Schweiz, eine Synthese zwischen italienischer Reform und deutscher Tradition. Erb. 1679-81 nach Plänen von Jakob Engel. Umgestaltung im Rokokostil und Verlängerung mit Grufteinbau 1759-61 unter Leitung von Franz Anton Bagnato. Stuckdekoration und Ausstattung nach einem Modell von Johann Michael Feichtmayr, ausgeführt von Francesco Pozzi. Freskomalereien und Altarbilder von Giuseppe Appiani. Seit 1812 Pfarrkirche von Arlesheim. Innenrest. 1930-32, Aussenrest. 1954-55. Höhepunkt und W-Abschluss des Domplatzes ist die 3teilige, flachgegliederte Zweiturmfassade; plastisches Hauptportal, dat. 1681, mit Mariennische darüber. Die urspr. durch 3 Gesimse mit je 2 Fenstern horizontal geordnete Fassade erfuhr 1761 eine Betonung der Vertikalen durch 2 hohe Fenster und Lisenenumrahmungen. Als Abschluss ein geschweifter Giebelaufsatz zwischen 8eckigen Turmgeschossen mit Kugelhauben und Laternen. - Inneres. Basilikaler, emporenloser Einheitsraum, urspr. mit Coretti geplant. Vierjochiges Schiff mit Vorjoch, flankiert von Kapellenreihen, die sich beidseits des nicht eingezogenen, rund schliessenden Chors in Sakristeien fortsetzen. Wandgliederung in Schiff und Chor mittels flachen Wandpilastern, über denen flache Deckenspiegel ansetzen. Festliche Dekoration mit lebhaften, aber jeglichen Überschwang meidenden Stukkaturen von Francesco Pozzi. Über den Pilastergebälkstücken Putten mit Mariensymbolen. Wand- und Deckenfresken in zartem, duftigem Kolorit an Tiepolo erinnernd, jedoch eigenständige Fresken von Giuseppe Appiani: an der Schiffsdecke Verherrlichung Maria durch die 4 Erdteile: im Chor Verkündigung und im Altarhaus Himmelfahrt Mariä, signiert und dat. 1760; an den Chorwänden Abendmahl und Fusswaschung: Kapellengewölbe mit Tugenden; am Hochaltar Domübergabe an Maria, umgeben von Bistumspatronen. Stationenbilder 1930-31 von August Wanner. Beachtliche Ausstattung: Hochaltar mit vortretender Säulenarchitektur und Bekrönung aus Marmor und Stuck, Kapellen- und Sakristeialtäre sowie Kanzel von Francesco Pozzi. In der 3.N-Kapelle got. Holzfigur um 1460, Hl. Ottilia aus der ehem. Pfarrkirche. Übrige Altarbilder von Giuseppe Appiani und Melchior Paul Deschwanden. Chorgestühl, Beicht- und Langhausstühle. Sakristeischränke und Türen mit reichem Rokokodekor 1760-61 von Peter Schacherer aus Rheinfelden. Orgel von Johann Andreas Silbermann Sohn aus Strassburg, 1761. Einzige, nahezu vollständig erhaltene und spielbare Silbermann-Orgel der Schweiz. Rest. 1959-62 von O. Metzler. Orgelprospekt von Hans Kelterer aus Colmar ausgeführt. Ehem. Gruft. 1956 zur Kapelle umgebaut, neue Ausstattung von Albert Schilling. Mehrere Restaurationsphasen.
Domplatz und ehem. Domherrenhäuser. Erb. 1680-87 z.T. nach Entwurf von Jakob Engel (oder Franz Demess?). Beidseits des längsrechteckigen Platzes je zwei stattliche Doppelhäuser: Nr. 10/12, ehem. Kapitelhaus, erb. 1680; Nr.5/7, erb. 1683 durch unbekannten Baumeister aus Kaiserstuhl, mit geschweiften Giebelaufsätzen; Nr. 8, erb. 1685-87, heute Gemeindeverwaltung; im Innern Régence-Stuckdecke von 1710/20 und Kachelofen dat. 1789 von F. Hug. - In der Platzmitte 8eckiger Brunnen von 1680 mit Wappenrelief des Domstifts von 1766, neuer Stock 1975 von Albert Schilling. - Domstrasse: Ehem. Domherrenhaus. Nr. 2. Erb. um 1750, Empire-Umbau um 1812, aufgestockt 1851. Herrschaftshaus in englischem Park über quadratischem Grundriss mit Walmdach und klassiz. Portal. Privatbesitz. Im Innern seltene Empire-Ausstattung mit Applikationen von J. Beunat aus Sarrebourg und Rixheimer Tapete mit Veduten aus der Schweiz 1813-14. - Nördlich des Domes: Statthalteramt, erb. 1761 als Domherrenhaus vermutlich von Franz Anton Bagnato. Zweigeschossiger Barockbau mit Ecklisenen und Walmdach. Eingang dat. 1761 mit Stuckkartusche und gemaltem Hl. Georg. – Östlich des Domes: ehem. Badhof. erb. 1820 als langgestreckter Biedermeierbau mit Walmdach.
Ref. Kirche. Unterhalb der Bischofsresidenz in Villenquartier. Erb. 1911-12 von Emanuel La Röche: Rest. 1970-71. Fassade mit seitlichem Turm. niedriger geschlossener Vorhalle und Krüppelwalmdach. Langgestrecktes Schiff und Rundchor. Roman. und got. Bauelemente im Sinne des späten Stilpluralismus und des Schweiz. Jugendstils verwendet. Inneres mit offenem Dachstuhl. Orgelchor, origineller Emporenkonstruktion. Dekorationsmalereien und Jugendstilleuchtern.
Im Dorf. Ermitagestrasse, Nr.4-6: Altersheim Landruhe.ehem. Bauernhaus, erb. 1674, klassiz. umgeb. 1850. - Hofgasse, Nr.2: Fallerhof, ehem. Amtshaus. erb. 16-18.Jh.; Giebelhaus mit barocken Anbauten. - Ermitagestrasse, Nr. 25: ehem. Pfarrhaus, erb. 1738. Dahinter lag die 1816 abgetragene Dorfkirche St.Ottilia. - Andlauerhof. am 0-Rand des Dorfes. Erb. 161 ö als Adelssitz. Barockumbau vor 1754 für Domherren. 1763-92 Vogteisitz unter Fran/ Karl v.Andlau. Klassiz. Umbau 1815. Privatbesitz. Herrschaftshaus mit Walmdach. Dreieckgiebel und Flügelanbau. 0-Treppenhausbau von 1850/60. Im Innern Hauskapelle mit Stukkaturen 1754 von Andreas Moosbrugger. Ausgezeichnete Barock- und Empire-Ausstattung. - Hofgut. Mächtige Scheune mit bombiertem Walmdach, dat. 1822. Daneben Renaissanceportal 1641 von der ehem. Schlachtkapelle von Dornach. Spätgot. Pächterhaus 17.Jh.
Ermitage. Grösster englischer Landschaftsgarten der Schweiz, im Gebiet des Burghügels Birseck in abwechslungsreicher Landschaft 1785 unter dem Eindruck der Naturverehrung Rousseaus und Gessners angelegt von Balbina v. Andlau-Staal und Domherr Heinrich v. Ligertz. Im Geiste des Rokokos erweitert bis 1793, durch französische Truppen 1793 zerstört und 1810-12 in romantischem Sinne wiederhergestellt. Am Bache: Schleife, Mühle, Gärtnerhaus und Aquädukt. Am Burghügel: Felsentoreingang, Karussellplatz vor prähist. Höhle, Gessnergrotte, Eremitenklause mit hölzernem Eremit. Kapelle, sog. Holzstoss als Aussichtskabinett. Apollogrotten, Felsinschrift der Erbauer von 1785, Grabes- und Auferstehungsgrotte, Delille-Denkmal. Im Tal: 3 Weiher und Waldhäuser mit ehem. Öle. Tabakstampfe und Büchsenschmiede. In Richtung Schönmatt: Hofgut Ränggersmatt. erb. 1821; bombiertes Walmdach wie Andlauerhof.
Burgruine Birseck. Erb. im 13. Jh.. seil 123s» Besitz des Bischofs von Basel, zeitweise Bischofsresidenz. Vom 15. Jh. bis 1763 Landvogteisitz. Zerstört 1793, z.T. wiederaufgeb. 1810-18. Im Burggraben alter Weidhof; im ehem. Burghof Rittersaal von 1810 mit Landschaftsbildern 1814 von Jakob Christoph Miville: Marienkapelle, neuerb. 1818, mit neugot. Ausstattung und Architekturmalereien. Rundturm mit Wendeltreppe zu Wehrgang und bezinnter Umfassungsmauer.
Burg Reichenstein. Erb. im 13.Jh. durch das Basler Adelsgeschlecht Reich, teilweise zerstört 1356. zerfallen im 17.Jh. Privater Wiederaufbau 1932-33 nach Plänen von Eugen Probst: jetzt öffentlich-rechtliche Stiftung. Typische kleine Stadtadelsburg. Spuren weiterer Burgruinen auf dem Reichensteinergrat.