Schloss Birseck oberhalb von Arlesheim ist eine charakteristische Landmarke für die gesamte umliegende Gegend. Die Anlage besteht heute aus Ringmauer mit Rundturm, Rittersaal und Kapelle sowie dem ehemaligen fürstbischöflichen Weidhof und der äusseren Umfassungsmauer. Nach dem unerwarteten Teileinsturz der nördlichen Ringmauer im Februar 2000 wurde dieser Bereich saniert. Da weitere Bereiche einsturzgefährdet waren, wird nun in einer nächsten Etappe die Südmauer saniert. Die Kosten für die Arbeiten, die im Herbst 2005 enden, tragen neben dem Kanton (Kantonale Denkmalpflege) der Bund sowie die Eigentümerin, die Stiftung Schloss Birseck und Ermitage Arlesheim.
Die Jahrhunderte lange bewegte Geschichte der Birseck hinterliess ihre Spuren am Bauwerk: Mauerpartien und Baumaterialien aus unterschiedlichsten Zeiten, Fensterdurchbrüche, Reparaturen, Erweiterungen. Zum Verständnis dieser Spuren und als Grundlage für die Sanierung erfolgte deshalb zuerst eine archäologische Bauanalyse. Die Birseck ist damit die erste grössere Baselbieter Burg, die modern wissenschaftlich dokumentiert ist! Neben der reinen Baudokumentation wurden auch historische Hölzer mit der Jahrringmethode datiert sowie die Herkunft von Steinen und Mörteln petrographisch untersucht.
Über die Anfänge der Burg könnten nur Grabungen Klarheit verschaffen. Solche sind im Rahmen der Restaurierung indes nicht nötig und werden deshalb auch vermieden; graben bedeutet immer auch zerstören. – Als der Bischof Lüthold von Basel 1239 den Hof des Klosters Niedermünster in Arlesheim mit all seinen Besitzungen aufkaufte, wechselte auch der markante Felsen oberhalb des Dorfes seinen Besitzer. Bereits damals dürfte dort eine Burg gestanden haben, wie indirekte Quellen bezeugen. Die neuen Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass die ältesten erhaltenen Mauern zahlreiche verbrannte Steine enthalten, die von einem offenbar gänzlich abgetragenen, brandzerstörten Vorgängerbau stammen müssen.
Wie wichtig die Burg Birseck für die Kontrolle des unteren Birstals war, zeigt die Reaktion des wichtigsten Kontrahenten des Bischofs von Basel, des Grafen Ludwig von Frohburg, der den Gütertransfer sogleich anfocht. Erst 1245 gab er seine Ansprüche auf die Birseck auf. Der Bischof hatte in der Zwischenzeit jedoch bereits ganze Arbeit geleistet: Die Analysen haben gezeigt, dass schon im Winter 1243/44 Bauholz gerüstet worden war und man mit umfangreichen Maurerarbeiten begonnen hatte. Der heutige Grundriss der Anlage geht auf diese Zeit zurück. An der Südfassade ist Bischof Lütholds Bau – erkennbar an grossen, zum Teil etwas unförmigen Quadern – noch über 10 m hoch erhalten.
In der Folge diente die mächtige Anlage zeitweilig als Bischofsresidenz. Als Lütholds Nachfolger Heinrich von Neuenburg vor dem Papst erscheinen sollte, lud er diesen gar im Gegenzug zu sich auf Birseck! Die Zerstörungen durch das Erdbeben von Basel (1356) erschwerten schliesslich das Leben auf der Burg. Zwar lassen sich bis heute keine Spuren direkt mit dem Ereignis in Verbindung bringen, aber vielleicht gehen mehrere fast vertikale Risse in der Südfassade darauf zurück. Auch Teile der Ostfassade scheinen damals zu Schaden gekommen sein. Wie im nahen Basel könnten aber die Zerstörungen durch nachfolgende Feuersbrünste verheerender gewesen sein als das Erdbeben selbst, denn fast 50% der anschliessend wieder verwendeten Bausteine weisen deutliche Brandspuren auf.
Nach dem Erdbeben fehlte das Geld für eine nachhaltige Sanierung. Man versuchte sich zeitweilig mit Verpfändungen zu helfen. Erst aus dem 15. Jahrhundert sind wieder Baumassnahmen fassbar, die auf Bischof Friedrich zu Rhein zurückgehen könnten. Damals scheinen vor allem die zinnenbekrönten Obergeschosse neu aufgeführt worden zu sein, so wie sie auf einer ältesten Darstellung der Schlacht von Dornach (1499) überliefert sind. Zu neuer Blüte gelangte das Schloss schliesslich zu Beginn des 17. Jahrhunderts: 1610 wurden die Toranlage vergrössert und der Wohntrakt an der Südmauer von zweien auf drei Geschosse erhöht. Diese Erhöhung ist an den grossen Fensteröffnungen – zum Teil mit erhaltenen Gewänden aus Buntsandstein – noch deutlich ablesbar. Die Mauersteine sind zudem kleinteiliger und stammen mehrheitlich nicht mehr vom Burgfelsen selber, sondern vermutlich von einem Steinbruch etwas oberhalb der Burg.
Weitere Veränderungen – etwa der Bau der Kapelle (1626) oder der Ersatz der Zugbrücke durch die heutige steinerne Bogenbrücke (vor 1763) – liegen ausserhalb der untersuchten Bereiche. Doch die Geschichte des Schlosses ist damit nicht zu Ende. 1793, am Ende des «Ancien Régime», plünderten Bauern das Schloss und steckten es in Brand. Danach wurde es zum «Nationalgut» erklärt und diente als Steinbruch. Auch diese Ereignisse hinterliessen am Mauerwerk deutliche Spuren. Erst Conrad von Andlau, Sohn des letzten Landvogts, und Domherr Heinrich von Ligerz setzten dem Treiben ein Ende, indem sie die Anlage kauften, Turm und Kapelle im romantisch-neogotischen Stil wieder instand setzten und die westliche Umfassungsmauer mit Zinnen und Wehrgang versahen. Auch die Südfassade im Bereich des abgebrannten Wohnhauses erhielt einen Zinnenkranz. In der Südwestecke des Schlosshofes entstand der Rittersaal. 1812 schliesslich wurde die «gepflegte» Ruine in den Englischen Garten, die «Ermitage», einbezogen und mehr und mehr von Pflanzen erobert.
Autor und Quelle: Reto Marti, Kantonsarchäologie Baselland.
