Der anthroposophische Schriftsteller Hermann Jülich schreibt in seiner 1946 erstmals erschienenen, bis heute mehrfach aufgelegten Betrachtung Arlesheim und Odilie ( Verlag Buchdruckerei Arlesheim) Folgendes zur Entstehungsgeschichte des Doms:
Mit Hochdruck hatte man ... gebaut; denn die Domherren fühlten sich in dem kleinen Odilienkirchlein nicht übermässig wohl. Sie liebten gerade in jener Zeit Aufwand und Pracht. War damals doch die Zeit, in der die wiedererstarkte Kirche ihre Herrlichkeit gerne auch äusserlich herausstellte. So wie die Kirche heute dasteht, ist sie allerdings damals nicht entstanden. Sie wurde etwas zu schnell gebaut; denn schon bald zeigten sich Sprünge und Risse und so musste man sie schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts gründlich renovieren. Während die äusseren Kirchenformen ihren barocken Charakter behielten, empfing das Kircheninnere den lieblichen Rokokostil, den sie dann auch bis heute behalten hat.
Wenn wir uns einen Begriff von dem Leben machen wollen, das damit in Arlesheim seinen Einzug hielt, dann müssen wir uns die Domherren vorstellen. Das waren keine Seelsorger, die sich um das Heil der Seelen kümmerten. Die Domherren waren Mitverwalter des Fürstbistums; sie waren Standesherren von adliger Herkunft. Um Domherr dieses Stiftes zu werden, musste man eine Ahnenprobe bestehen, bei der sechzehn adlige Vorfahren aufzuweisen waren. Tatsächlich war das Kapitel eine weltgeistliche Regierungsbehörde, die aus Mitgliedern des angesehenen bischöflichen Dienstadels bestand. Man musste in der Lage sein, aus eigenen Mitteln ein standesgemässes Leben führen zu können.
Nur wenige Bürgerliche konnten dem Kapitel angehören. Doktoren der Theologie, die in Rom oder an einer deutschen Universität studiert hatten. Vielleicht war diese Vorschrift in der wohlweislichen Absicht beschlossen worden, damit dem Kapitel auch Gelehrte angehörten. Auf jeden Fall waren es grosse Herren, die in Arlesheim residierten, die den Bischof zu wählen hatten und ihm die Richtlinien seiner Politik vorschreiben konnten. In Arlesheim führten sie eine Art grosses Leben, wie es überall möglich war, wo solche Herren Politik machten und genug Geld ausgeben konnten.