„Für die kunstvolle Rokokoausstattung des Doms waren hauptsächlich Fürstbischof Joseph Wilhelm Rinck von Baldenstein und sein jüngerer Bruder Conrad Anton Rinck von Baldenstein verantwortlich, der am 25. September 1759 zum Domprobst gewählt worden war und uns in den Protokollen als treibende Kraft der künstlerischen Neuasstattung begegnet. Aufgabe des Probstes war die Verwaltung der Einkünfte, Unterhalt und Ausstattung der Gebäude sowie die Besetzung der Pfarreien, der Kustos hatte u.a. den Kirchenschatz und –schmuck zu verwalten. Die Protokolle der wöchentlichen Kapitelsitzungen bieten einen gewissen Ersatz für die verlorenen Verträge mit den Handwerkern. Zur Ausstattung heisst es im Protokoll vom 2. Oktober 1759: «Ihro Hochwürden Herr Domprobst erinnern, dass bey zimlich von stattengehendem Kirchenbau es an der Zeit seye, sowohl an die Chorstühle, als Eissenen gattern [=Chorgitter], eine neüe Orgel, und an die stühle für das gemeine Volck in der Kirchen, Vorzüglich und haubtsächlich aber an den hohen alter [=Hochaltar] zugedenken«.
Die Notwendigkeit, „eine neüe Orgel durch den Silbermann von Strassburg verfertigen zu lassen“, lässt sich kaum hinreichend durch das vergrösserte Kirchenschiff erklären. Auch fehlen in den Protokollen Hinweise auf technische oder klangliche Defekte der sechs Jahre alten Bihler-Orgel, die am 9. April 1761 nach Delsberg verkauft wurde. Die neue Orgel von Johann Andreas Silbermann war vielmehr Teil der kostbaren Neuausstattung und – nicht zuletzt durch die ausgezeichnete Reputation der Strassburger Werkstatt – geeignet, dem fürstbischöflichen Repräsentationsbedürfnis weithin sichtbaren Ausdruck zu verleihen.“
Dr. Markus Zepf, Musikwissenschaftler, Freiburg i. Br.
Quelle